Engagement für eine nachhaltige Energiepolitik

Der Thurgauer Energiepreis 2014, welcher vor kurzem zum vierten Mal verliehen wurde, verfolgt das Ziel, Energieeffizienz zu fördern und die vorbildliche Verwendung von erneuerbaren Energien zu honorieren. Die Jury zeichnete unter anderem das Projekt «Energy Tour 2013» aus.

Eschlikon/Aadorf – Die Energy Tour 2013 fand im vergangenen Jahr statt und wusste einiges zu bieten. Neben einem autofreien Rundkurs über­zeugten die Organisatoren auch mit einem vielfältigen Programm, wel­ches den Besuchern die Möglichkeit bot, verschiedene Anlagen im Bereich Energie zu besichtigen und sich über die Thematik zu informieren. Dabei gelang es ihnen, verschiedenste, in diesem Bereich führende Firmen aus der Umgebung in das Projekt einzu­binden und so der Bevölkerung das Wissen von ausserordentlich kompe­tenten Fachkräften zur Verfügung zu stellen.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die ursprüngliche Idee, ein Pro­jekt in diesem Rahmen zu gestalten, stamme von Isabelle Denzler, welche sich noch immer als Mitglied des Organisationskomitees engagiert, erklärt Josef Gemperle, Projektver­antwortlicher. Mittlerweile führten die Initianten die Energy Tour zum fünften Mal durch, wobei das Projekt stetig wuchs. Wichtig ist den Orga­nisatoren auch die politische Neutralität. «Das Thema Energie und die daraus resultierenden Problematiken gehen alle etwas an, unabhängig von der politischen Orientierung», fügt Gemperle an.

«Wir sind bemüht, jeweils nur die allerbesten und diejenigen Beispiele auszusuchen, welche besonders zur Nachahmung inspirieren», meint der Projektleiter. Er ist überzeugt, dass solche Anlässe für die Region von enormer Wichtigkeit sind. Zu­dem biete der Event den lokalen Fir­men eine einzigartige Plattform, ihr Engagement im Bereich Energieeffi­zienz der Öffentlichkeit zu präsen­tieren, was von diesen sehr geschätzt werde.

Die Fachkräfte seien stets mit vollem Herzblut dabei und verfü­gen über das nötige Fachwissen, um die Thematik authentisch und auf verständliche Art und Weise zu ver­mitteln. Neben dem Gewerbe und den Unternehmen sei es ausserdem wichtig, die Gemeinden für das Pro­jekt zu gewinnen. Insbesondere die Energiestädte, welche einen Infor­mationsauftrag haben, könnten von dem Anlass profitieren.

Vom «Virus» gepackt

Zu erwähnen ist das herausra­gende Engagement des Organisati­onskomitees und aller anderen Be­teiligten. Der ganze Anlass wurde von Privatpersonen und Mitgliedern von diversen Vereinen ehrenamtlich organisiert und durchgeführt. Dazu investierten sie unzählige Stunden ihrer Freizeit.

«Während der Planung habe ich sehr viele Leute kennen gelernt, wel­che ähnliche Ideen und Denkweisen vertreten. Die positiven Begegnungen geben mir immer wieder Kraft», er­zählt Josef Gemperle. Der 54-jährige Bauer aus Fischingen engagiert sich schon seit Jahren mit Erfolg für nach­haltige Lösungen im Bereich Energie. Seit 2004 vertritt er seine Ansichten auch im Grossen Rat. Daneben leistet er viele ehrenamtliche Einsätze, unter anderem als Initiant und Präsident des Initiativkomitees Zwillingsiniti­ativen «Ja zu effizienter und erneuer­barer Energie – natürlich Thurgau», als Präsident des Vereins Geothermie Thurgau und im Vorstand von Solar­strompool Thurgau. Dies sei nur dank der enormen Unterstützung seiner Familie möglich, erklärt der vierfache Familienvater. Er habe aber auch fest­stellen müssen, dass er zeitlich nicht die Möglichkeit habe, überall mitzu­wirken, für das er Interesse aufbringe.

Der «Thurgauer Energiepreis 2014» sei für ihn sehr überraschend gewesen, sagt Gemperle. Er freue sich aber umso mehr für das ganze Team. «Wir haben den Preis alle zusammen gewonnen, alle haben wertvolle Arbeit geleistet. Ich bin extrem stolz auf das gesamte Komitee», betonte er. Der Preis sei ei­ne grosse Anerkennung, insbesondere auch weil die Mitglieder der Jury aus­gewiesene Fachleute sind.

Weg führt in eine Sackgasse

Zur momentanen Situation im Bereich Energie äussert sich Josef Gemperle folgendermassen: «Die Energiepolitik, die wir momentan be­treiben, führt in eine Sackgasse. Wir importieren den grössten Teil der Energie aus dem Ausland und nut­zen enorm viel fossile Energie, welche uns irgendwann ausgehen wird.» Es benötige konkrete Massnahmen wie Energiesparen, effizientere Nutzung der vorhandenen Energie und die Substitution von fossilen Brennstoffen durch erneuerbare Energie. Es sei of­fensichtlich, dass wir ein Problem mit dem Klima haben. Zudem müsse man längerfristig den AKW-Strom ersetz­ten, nicht nur weil er die Kraftwerke als gefährlich einstuft, sondern auch aufgrund der Endlichkeit des Rohstof­fes und der ungeklärten Lösung für radioaktive Abfälle. Es gehe dabei un­ter anderem darum, etwas für unsere Nachfahren zu tun und die Innovati­onskraft zu nutzen. «Wir dürfen nicht nur von den bisherigen Erkenntnissen profitieren, sondern müssen uns stets um die Weiterentwicklung von Tech­nologien bemühen». Dabei setzt Josef Gemperle nicht auf eine einzige Tech­nologie. Wichtig sei die Kombination von verschiedenen Arten von erneuer­barer Energie. So könnten die Vortei­le jeder der einzelnen Möglichkeiten ausgenutzt und die Nachteile weitest­gehend eliminiert werden. «Ich bin ein ganz entschiedener Kämpfer und ver­suche natürlich auch selbst nach mei­ner Überzeugung zu leben.» So plant der innovative Bauer mit Pioniergeist auch die Realisation eines kleinen Bio­gasprojektes auf seinem Hof.

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